Im Gespräch:

Mein künstlerischer Weg

Ein ehrlicher Einblick in meine Motivation, mein Schaffen und meine Vision als Künstlerin.

Sindy, du malst figurative Werke, fast immer Frauen. Warum gerade das?

Weil ich male, was ich selbst durchlebt habe. Meine Frauen haben oft die Augen geschlossen oder verdeckt. Nicht, weil sie nichts sehen wollen, sondern weil sie nach innen schauen.

Genau das ist der Weg, den ich selbst gegangen bin: weg von dem, was andere von mir erwartet haben, hin zu dem, was ich wirklich will. Ich male nicht nur Gesichter. Ich male diesen Moment, in dem eine Frau aufhört, nach außen zu funktionieren, und anfängt, sich selbst zuzuhören.

Für wen entstehen deine Werke?

Für Frauen, die ihren Tag voll haben und abends trotzdem das Gefühl kennen, dass irgendetwas fehlt. Die erfolgreich sind, zuverlässig, für alle da. Und die irgendwann leise merken: Mein Kalender ist voll, aber ich selbst komme darin kaum noch vor.

Für genau diese Frauen male ich. Damit sie eine Erinnerung an der Wand haben: Du darfst wieder zu dir zurückkommen.

Gab es einen Moment, der dich besonders geprägt hat?

Unsere Auswanderung nach Schweden. In Deutschland habe ich als Masseurin gearbeitet, in der Physiotherapie meiner Mama. Eine schöne Arbeit, aber nie wäre ich dort auf die Idee gekommen, dass in mir eine Künstlerin steckt.

Erst die Ruhe hier, die Wälder, die Weite. Erst dieser Abstand hat mich zu mir selbst gebracht. Ich male erst seit dreieinhalb Jahren. Und manchmal denke ich: Eigentlich habe ich nicht das Malen gefunden. Ich habe mich gefunden, und das Malen kam mit.

Und die andere Seite, was fordert dich an deiner Arbeit?

Zwei Dinge, ehrlich gesagt. Das eine ist der Zweifel. Ich bin Autodidaktin, ich habe nie eine klassische Ausbildung gemacht. Da ist manchmal diese leise Stimme: Ist das gut genug? Darf ich mich überhaupt Künstlerin nennen?

Das andere ist der Spagat. Ich bin Künstlerin, ich bin Unternehmerin, ich bin Mama und Ehefrau. All diese Rollen unter einen Hut zu bringen, ohne dass eine zu kurz kommt, das ist jeden Tag aufs Neue eine kleine Herausforderung.

Aber ich glaube, gerade weil ich das kenne, verstehe ich die Frauen, für die ich male, so gut.

Was wünschst du dir, dass deine Kunst bei den Menschen auslöst?

Dass jemand vor einem meiner Bilder stehen bleibt, kurz durchatmet und sich erinnert. An die eigene Stimme, die vielleicht lange leise war. Ich will keinen Wandschmuck schaffen. Meine Bilder sollen ein stiller Spiegel sein, der jeden Tag sagt: Du darfst zu dir zurückkommen.

Wenn ein Werk das auch nur bei einer Frau auslöst, dann hat es genau das getan, wofür ich male.

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